1912_urgroßvater_hermann rudorf
1917_urgroßvater_hermann rudorf

franz hermann rudorf
*1862   †1925

familie

mein urgroßvater franz hermann rudorf (ausbildung an der kunstgewerbeschule dresden und der malschule von schultze-naumburg und gogarten in münchen) war als professor am realgymnasium in plauen tätig und vorstandsmitglied des kunstvereins plauen. gelegentlich tauchen noch gemälde von ihm bei kunstauktionen auf.
    mein großvater hermann wolfgang rudorf war oberstadtbaurat in hof. spuren seines wirkens sind heute kaum mehr auffindbar. die liste der projekte war lang, seine städtebaulichen konzepte und viele der gebäude waren architektonisch anspruchsvoll.
    mein vater horst rudorf und mein onkel heinz rudorf studierten architektur bei hans döllgast und robert vorhoelzer an der technischen hochschule münchen. beide haben sich als architekten in hof und umgebung neben öffentlichen bauwerken vor allem im evangelischen kirchenbau profiliert. die markante, von meinem vater 1967 entworfene christuskirche in dürrenwaid steht heute unter denkmalschutz.
    auch mein bruder wolfgang max rudorf studierte architektur (technische univesität berlin und massachusetts institut of technology MIT). heute lehrt er als associate professor an der rhode island school of design RISD.

der hier kurz dokumentierte zugang meiner familie zu kunst und architektur war eine gute voraussetzung, den eigenen weg als maler zu gehen.

horst rudorf
gisela schwender

vater   1991   
horst rudorf
*1929   †2011

mutter   1991   
gisela schwender (geb. rahm)
*1929   †2010

1995_geschwister rudorf

1995   im kreis der geschwister
von links nach rechts   wolfgang, gisela, jochen 

vor dem studium

im juni 1975 erhielt ich nach 13 schuljahren das zeugnis der allgemeinen hochschulreife. von der 5. bis zur 13. klasse war rolf burchard mein kunsterzieher. aus ostpreußen geflüchtet war er seit 1952 am schillergymnasium hof tätig. Rolf burchard war ein künstler der "alten" schule. als mensch begegnete er uns weniger klugen schülern (schülerinnen gab es damals an diesem mathematisch- naturwissenschaftlichen und neusprachlichen gymnasium so gut wie keine) mit kluger weitsicht. ich habe ihm viel zu verdanken.
    nach dem abitur trieb es mich erst einmal in die welt hinaus und so machte ich mit meinem damaligen bandkollegen gerd gottschild (gerd spielte schlagzeug, ich gitarre) auf eine abenteuerliche, sechswöchige reise. mit einem alten peugot 504 durchquerten wir das alte jugoslawien, in griechenland erkundeten wir die kulturstätten auf dem peloponnes, fuhren weiter bis athen und setzten von dort mit der fähre nach izmir über. schließlich erreichten wir istanbul, den endpunkt unserer reise. zurück ging es über bulgarien, rumänien und ungarn.
    im herbst 1976, nach dieser zeit der "großen freiheit", folgten 15 monate wehrdienst im feldjägerbataillon münchen. wehrdienstverweigerung galt in jenen jahren als eine "exotische" position. nur wenige gingen den mühsamen und schikanösen weg um damit erfolg zu haben. ich kam nicht auf diesen gedanken und sehe heute diese zeit beim "bund" als einen zuwachs an zwischenmenschlicher erfahrung.
    meine erste abschlägig beschiedene studienbewerbung an der akademie der bildenen künste münchen führte mich zwecks einer nachbesprechung zu prof. günter fruhtrunk. er begrüßte mich mit der frage was ein kleiner mathematiker bei einstein zu suchen hätte? ...! 
    ich entschied mich für ein mehrmonatiges praktikum bei benedikt werner traut in der christusbruderschaft selbitz. benedikt werner traut fertigte großflächige holz- und linolschnitte, die an einer antiken kniehebelpresse gedruckt wurden. von ihm lernte ich präzision und was es bedeutet diszipliniert künstlerisch zu arbeiten.

rolf burchard
benedikt werner traut

© hedwig burchard
rolf burchard
*1914   †1983

© unbekannt
benedikt werner traut   
*1934   †2016

studienjahre in nürnberg

nach dem praktikum begann das studium: zunächst vier semester an der fachhochschule für gestaltung in nürnberg (oktober 1977 - oktober 1979). neben den theoretischen fächern standen zeichen (vor allem aktzeichen), typografie und fotografie auf dem lehrplan. mein ziel aber war malerei zu studieren. ich bewarb ich mich mit erfolg an der akademie der bildenen künst nürnberg und wählte gezielt die klasse von professor ernst weil. die jahre bei ernst weil (oktober 1979 - märz 1982) waren zweifelsohne die prägenden jahre. wir student*innen arbeiteten tür an tür mit ihm. ernst weil war immer präsent, nicht nur zu den wöchentlichen klassenbesprechungen bei denen es sehr direkt zur sache ging. für mich war das anfänglich eine große herausforderung, eine enorme erweiterung des blickwinkels. sein analytisches verständnis von malerei und sein kunsthistorisches hintergrundwissen hatten die wucht eines tsunamis. wer "überleben" wollte, musste "aufwachen".

erwänht sei hier auch eine internationale ausstellung die 1981 von den museen der stadt köln veranstaltet wurde: westkunst. diese ausstellung war für mich ein augenöffner par exellence. was dort in konzentrierter form und höchster qualität gezeigt wurde war sensationell.   

ernst weil

© nachlass ernst weil
1972   ernst weil
*1919   †1981

ernst weil
abstraktion in nürnberg
bis 13. sept. 2020
kunstvilla nürnberg

erste ausstellung 

aus diesen studienjahren sind nahezu keine bilder erhalten, sie waren nicht schlüssig. dennoch wurde 1980 meine erste einzelausstellung im hofer galeriehaus eröffnet. werner weinelt, gastronom und musiker, betrieb sein galeriehaus als kneipe und als plattform für musiker*innen und bildende künstler*innen. weinelt war eine kulturelle instanz! zu dieser zeit experimentierte ich mit druckfarben auf chromoersatzkarton, einige arbeiten zeigten ein akzeptables ergebnis. die rezension von ralf sziegoleit, bis 2007 verantwortlicher redakteur für das resort kultur der frankenpost, ist hier nachlesbar. ralf sziegoleit schrieb im laufe der jahre nahezu 20 rezensionen zu meiner kunst. 2020 ist von ihm ein lesenswertes buch über die kunstszene in der stadt und im landkreis hof von 1945 bis 2019 erschienen (ralf sziegoleit was macht die kunst isbn 978-3-9818668-2-7).

1980_rezension_ausstellung im galeriehaus_hof

rezension vom 28. februar 1980  ralf sziegoleit   frankenpost

1988_ralf sziegoleit

1992   werner weinelt
*1937   †2017

1988_ralf sziegoleit

1988   rechts   ralf sziegoleit 
in der galerie 48   hof

studienjahre in berlin

meine letzten "lehrjahre" an der hochschule der künste in berlin, wohin es mich nach dem unerwarteten tod von ernst weil gezogen hatte, waren von anderer natur. in der von mir gewählten klasse dominierte ein anderer habitus, eine andere lehre. helmut sturm (*1932   †2008), mitglied der gruppe spur, befand sich im "probemodus" für eine professur (die er später dann in münchen erhielt), und sein nachfolger, allen jones (*1937), ebenfalls gastprofessor, flog einmal im monat für drei tage aus london ein. die intensive auseinandersetzung mit bildsprachen war anderen diskussionen gewichen.
    aber diese jahre waren im rückblick eine gute zeit. das war vor allem der präsenz meines freundes und kommilitonen martin strauß zu verdanken. martin strauß, aus der malklasse weil mit nach berlin gezogen, war auf alles neugierig, unvergleichlich intellektuell, originell und ...urwitzig.

martin strauß

1983   links   martin strauß   *1957   †2010

in der alten heimat

nach dem abschluss als meisterschüler (1983) an der hdk berlin folgten sechs bewegte jahre in der alten heimat hof, die "café-marie-zeit". in monatelanger arbeit, von meinem freund karl neumüller und mir in einem mietobjekt im stadtzentrum erbaut, war das café vom tag seiner eröffnung an (oktober 1985) als kultkneipe etabliert. eine unvergessene zeit mit ausgedehntem freundeskreis und vielen festen. nach vier betriebsjahren ging das café marie in die treuen hände von nana damasceno über.

atelier_kopenhagener str._berlin
atelier_kopenhagener str._berlin
atelier_kopenhagener str._berlin

1987 seppelfest
1989 fasching
ab 1990 unter nana damasceno   

galerie 48

parallel zur "café-marie zeit" konnte ich in der ludwigstraße 48 ein großes atelier mit galerieräumen anmieten, die galerie 48. ausstellungen der malerei der kollegen günter walter (dez. 1988), wlodzimierz zakrzewski (sept. 1989) und horst hirsig (okt. 1989) standen auf dem programm. zur eröffnung der galerie im okt. 1988 zeigte ich eigene arbeiten. die einladungskarte und das plakat lockten auch den berliner galeristen michael schultz nach hof. er zollte der qualität dieser ausstellung seine anerkennung, was mich damals sehr ermutigte.
    in jenen jahren war hof kulturell sehr gut aufgestellt, vieles begleitet oder initiiert von der hofer stadtverwaltung in der ära des kulturreferenten dr. friedbert braun von 1975-1993.


1998_rezension_austellung galerie 48_hof

rezension vom 20. oktober1988  ralf sziegoleit   frankenpost

1989_rudorf_austellung galerie 48_hof

1988  galerie 48   hof

1988_prof. eugen gommringer_galerie 48_hof
1989_gabriele büttner_galerie 48_hof
1989_gabriele büttner_galerie 48_hof

prof. horst hirsig   *1929   †2019
prof. eugen gomringer   *1925
meine frau gabriele büttner und ich bei der galeriearbeit

bildfindung

in den jahren des malens im hofer atelier kristallisierten sich die zwei themengruppen meiner bilder heraus. ich folge ihnen bis heute. ausgangspunkt war die landschaft. prof. horst hirsig hat in einer rede, 1988 in der galerie 48 gehalten, dazu gesagt: ...und eben da, lieber hermann rudorf, ist für mich auch die antwort nach der geheimen vision ihrer bilder. dass sie so gut gemalt sind, da stimmt jeder millimeter, dass es nicht um baum und strauch geht, das habe ich schon gesagt. es geht in ihren landschaftsbildern um die faszination von erde und himmel und die nahtstelle ihrer scheinbaren berührung, es geht um den horizont und seine überwindung.
    der horizont und seine überwindung, diese fünf worte bringen meine künstlerische intention auf den punkt. sie gelten im übertragenen sinn auch für meine bildnerische annährung an die figur (und später an das thema stilleben).
    landschaft, figur, objekte, rechne ich zu den gegenstandbezogenen bildern. die andere themengruppe hat keinen unmittelbaren bezug zur erfahrbaren realität. Sie konzentriert sich auf die interaktion der reinen form und farbe im raum.
    das bildnerische arbeiten thematisch nicht einzuengen ist mir bis heute wichtig geblieben. thematische einengung mag für den schnellen wierdererkennungswert von autorenschaft vorteilig sein. wichtiger erscheint mir aber die entwicklung einer stringenten bildsprache, einer bildsprache die den zeitgeist meidet, die dem universellen folgt, die auch, und besonders, eine persönliche haltung zum ausdruck bringt. so bedeutet bildfindung auch selbstfindung. Diese erkenntnis war das resultat meiner studienjahre, deren erste früchte in die zeit des malens im hofer atelier fielen.

ende 1989, im jahr des mauerfalls, ging meine "hofer zeit" zu ende.

rudorf_schlüsselbilder_1988-1989
rudorf_schlüsselbilder_1988-1989
rudorf_schlüsselbilder_1988-1989

schlüsselbilder 1988 - 1889                

usa

nach der "hofer zeit" folgten sechs monate usa. ausgangspunkt war die familie meines bruders wolfgang in boston. die absicht war in den usa eine neue heimat zu finden, was sich allerdings aufgrund der strikten einbürgerungsbedingungen als schwierig erwies. zusammen mit meiner frau, die für einen urlaub gekommen war, durchreisten wir mit einem gekauften alten ford station wagon die staaten der ostküste bis nach florida, weiter bis kalifornien und kehrten über den mittleren westen nach boston zurück, 9000 meilen in knapp sechs wochen. anschließend fuhr ich allein von boston für mehrere wochen nach new york, auf galerien- und ateliersuche ...nicht sonderlich von erfolg gekrönt. zurück in deutschland reiste ich mitte 1990 ein zweites mal nach usa um in new york zwei große bilder, die sich die m-13 gallery von howard m. scott vorab hat schicken lassen, wieder abzuholen.

märz 1990_unterwegs in usa

märz 1999
selbst vor motel mit ford station wagon
new jersey   

berlin

der entschluss meiner frau und mir stand fest: berlin sollte unser neuer Standort werden. im ostteil der stadt fand sich bald unmittelbar hinter dem reichstag ein kleines atelier in der clara-zetkin-straße (heute dorotheenstraße). im gleichen haus betrieb der galerist klaus brennecke seine neu gegründete galerie, die damals noch pro art galerie hieß. dort hatte ich im september 1991 meine erste berliner einzelausstellung. der galerist brennecke, damals ein großer verehrer der kunst von jackson pollock und verfechter der gegenstandsfreien und abstrakten malerei, stellte meine bilder insgesamt sechs mal aus, zuletzt 2002 am aktuellen standort in der mommsenstraße.

1991_galerist klaus brennecke

© hermann kauper
1991   rechts    klaus brennecke

atelier kopenhagener straße

es zeichnete sich ab, dass das kleine atelier im ehemaligen postscheckamt 90 in der clara-zetkin-straße früher oder später hätte aufgegeben werden müssen. das gebäude sollte zukünftig vom deutschen bundestag genutzt werden. so machten sich mein kollege und ateliernachbar michael ufer (*1952   †1994) und ich 1992 gemeinsam auf ateliersuche. gefunden haben wir einen besonderen raum in prenzlauer berg in der kopenhagener straße mit ausschicht über die gleise der berliner ringbahn. das los musste darüber entscheiden wer einziehen durfte, die geworfene münze fiel glücklicherweise zu meinen gunsten.
    dieser raum von zirka 80 mwar seit 1953 die werkstatt der notenstecherei rudolf paris. in den letzten 10 jahren vor der wende, bis november 1990, arbeitet dort der letzte berliner notenstechermeister hans-joachim paris nahezu allein. 1991 wurde das gesamte inventar vom deutschen technikmuseum erworben, der raum selbst sorgfältig von clemens kirchner fotografisch dokumentiert. frau kerstin wallach hat eine sehr informative ausstellung zu paris kuratiert und online gestellt.
    zum zeitpunkt meines einzugs hatte im parterre und ersten stock die tischlerei vogt ihre werkstatt, eine treppe höher der maler gerhard hillich (*1944 †2000) sein atelier. hillichs wunderbar skurriles werk (gerhard hillich isbn 3-931836-76-2) wird bis heute nicht im verdienten maß gewürdigt!

zehn jahre künstlerischer arbeit in diesem raum lagen nun vor mir.

atelier_prenzlauer berg_berlin
atelier_prenzlauer berg_berlin

atelier
kopenhagener straße

treppenaufgang zum atelier 

atelier_kopenhagener str._berlin
atelier_kopenhagener str._berlin
atelier_kopenhagener str._berlin

schlüsselbilder 1992 - 2001          


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